Die QSBW 4.0 führt zahlreiche Neuerungen in die Durchführung von Erhaltungsmaßnahmen ein, wie die Vernetzung der Baumaschinen und -fahrzeuge untereinander oder die Dokumentation der Einbautemperatur in Echtzeit. Zur erfolgreichen Implementierung dieser Neuerungen hält Dr. Müller vor allem zwei Dinge für wichtig.
Bauunternehmen sollten nicht versuchen, das komplette Technologiebündel auf einmal in ihrem Arbeitsalltag umzusetzen, stattdessen rät der Experte zur schrittweisen Einführung. Doch was einmal umgesetzt wurde, sollte dann auch auf jeder Baustelle zur Anwendung kommen, nicht nur, wenn es die Ausschreibung verlangt. Nur so entwickeln Unternehmen und ihre Mitarbeiter die nötige Routine, erklärt Müller.
Doch auch wenn ein Unternehmen den Weg zur Digitalisierung in kleinen Schritten geht, kommt es um Investitionen nicht herum. Hardware- und Softwarelösungen müssen her, die Mitarbeiter im Umgang damit entsprechend geschult werden. Das bedeutet natürlich auch Mehrkosten für die Auftraggeber. Diese gleichen sich jedoch durch längere Liegezeiten und weitere Vorzüge zum Teil wieder aus.
Die Kostenfaktoren für die Auftragnehmer hält Marcus Müller jedenfalls für gut kalkulierbar. Beim menschlichen Faktor kann es da schon anders aussehen. Hier sind die Unternehmen gefordert, ihren Mitarbeitern die Chancen der Digitalisierung aufzuzeigen und sie bestmöglich für ihre neuen Aufgaben zu schulen. Unsicherheiten gibt es schließlich zuhauf.
Eine Sorge, die nicht nur die Baubranche, sondern die Digitalisierung im Allgemeinen betrifft, ist die Angst vor der totalen Überwachung. Viele befürchten, dass Auftraggeber ihre Auftragnehmer akribisch überwachen und Unternehmen wiederum jeden einzelnen Mitarbeiter.
Hier sieht Müller vor allem das Management in der Pflicht, so etwas zu verhindern. Zwar zeige die digitale Technik viele Fehler in Echtzeit an, doch dürfe man darum nicht darauf verfallen, alle Prozesse nur noch vom Büro aus zu steuern. Sowohl Auftraggeber als auch Unternehmer müssen weiterhin auf Baustellen präsent sein und bei Problemen mit den Mitarbeitern vor Ort reden. Sonst ist die Digitalisierung von vornherein zum Scheitern verurteilt, glaubt der Experte.
Am Thema Nachhaltigkeit kommt auch der Straßenbau nicht vorbei. Nachhaltigkeitskriterien sind heute zentraler Bestandteil von Ausschreibungen der öffentlichen Hand. Nachhaltigkeit und Digitalisierung dürfen für Müller jedoch nicht getrennt voneinander betrachtet werden, sondern gehen Hand in Hand, etwa wenn es um die Einhaltung und Kontrolle der Nachhaltigkeitskriterien geht.
„Da gibt es fast keine andere Chance, als das auch digital zu machen. Die Verknüpfung zwischen dem großen, gesellschaftlichen Thema Nachhaltigkeit, das auch die Bauwirtschaft zunehmend umtreibt, und der Digitalisierung: Das wird die Zukunft sein“, ist sicher Marcus Müller sicher.
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